Nach den Lehren Bahá’u’lláhs ist der Mensch erschaffen worden, eine ständig voranschreitende Kultur hervorzubringen. Aus dieser Überzeugung heraus denken Bahá’í mit Freunden und Bekannten ihres Umfeldes über Wege und Möglichkeiten nach, wie sie den Wandel der Gesellschaft hin zur Einheit in der Vielfalt aktiv mitgestalten können.

Familie und Kinder

 

Die Einheit der Menschheit ist ein Prozess, der in der Familie als kleinste Einheit der Gesellschaft beginnt. In ihr werden wir mit Eigenschaften und Fähigkeiten vertraut gemacht, die uns in unserem Umgang mit anderen Menschen prägen – das Teilen, ein liebevoller Umgang, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft sind nur einige Beispiele.

Kinder sind der kostbarste Schatz, den eine Gesellschaft haben kann, denn sie tragen die Samen unserer zukünftigen Gesellschaft in sich. Sie werden vor allem dadurch geprägt, wie wir für sie sorgen und sie fördern. Daher ist es wichtig, dass Kinder von Beginn an ihre innewohnenden geistigen Eigenschaften entdecken, wie Liebe, Freundschaft, Gerechtigkeit, Großzügigkeit oder Vertrauen. Mit der Hilfe der Gesellschaft und der Eltern lernen sie, diese Tugenden in ihrem Alltag anzuwenden und in ihrem Umfeld weiterzuentwickeln. Sie prägen die Charakterbildung eines jeden Kindes.

Die Bahá’í bieten weltweit seit vielen Jahren Kinderklassen an, die allen Kindern offen stehen. Entsprechend ihrer Altersgruppe lernen Kinder zwischen fünf und elf Jahren anhand von Geschichten, Liedern, Malvorlagen, Spielen und Zitaten aus den Bahá’í-Schriften die verschiedenen Tugenden kennen. Mit Hilfe der Eltern können diese bewusst in den Alltag eingebaut und von den Kindern praktisch umgesetzt werden. Auch die Bonner Bahá’í-Gemeinde führt seit langem Kinderklassen in dieser Art durch.

 

"Betrachte den Menschen als ein Bergwerk, reich an Edelsteinen von unschätzbarem Wert. Nur die Erziehung kann bewirken, dass es seine Schätze enthüllt und die Menschheit daraus Nutzen zu ziehen vermag."

Bahá'u'lláh

Jugend

 

Jugendliche waren schon immer bereit, sich für gesellschaftliche Veränderungen zu engagieren. Damit sie ihr Potenzial besser entfalten können, benötigen sie geistig-spirituelle und intellektuelle Erkenntnisse und Fähigkeiten. Jugendliche durchleben in diesem besonderen Lebensabschnitt viele Veränderungen und treffen Entscheidungen, welche die Weichen für ihr weiteres Leben stellen. Ihre Energie, Ernsthaftigkeit und Abenteuerlust können eine Dynamik freisetzen, die auch andere Mitglieder der Gesellschaft zum Mitmachen inspiriert.

Besonders im Alter von zwölf bis fünfzehn Jahren erleben Jugendliche viele körperliche, intellektuelle und emotionale Veränderungen. In diesem Zusammenhang widmen sich Bahá’í-Jugendliche und ihre Freunde an vielen Orten weltweit einem sogenannten Juniorjugendprogramm. Dieses Programm bietet 12-15-Jährigen ein Umfeld, um ihre geistigen Kräfte zu stärken und ihre Lernbereitschaft mit bedeutungsvollem Handeln zu verbinden.

In Gruppen von Gleichaltrigen und unter Begleitung junger Erwachsener, die für das Programm geschult sind, unterstützen sie sich gegenseitig dabei, ihr Potenzial zu entdecken und zu entfalten. Durch den Austausch in der Gruppe, durch Spiele und Sport sowie beim gemeinsamen Engagement durch Projekte zur Verbesserung der Nachbarschaft entstehen und festigen sich wertvolle Freundschaften. In Bonn gibt es bereits seit geraumer Zeit Juniorjugendgruppen, die offen für alle Juniorjugendlichen in Bonn und Umgebung sind. Wir unterstützen auch gerne beim Aufbau weiterer Gruppen.

"Ein angemessenes Verständnis dieser Altersgruppe ist das selbstloser junger Menschen, die ‘einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, Eifer, über das Universum zu lernen, und den Wunsch, beim Aufbau einer besseren Welt mitzuwirken’ haben."

Universale Haus der Gerechtigkeit

Andacht & Dienst

 

Die Zuwendung zu Gott im Gebet ist in nahezu allen Religionen essentiell. Nicht selten bittet der Mensch im persönlichen Gebet um Beistand, Kraft oder Gesundheit für sich und andere. Das Wort Gottes schenkt nicht nur Hoffnung, sondern inspiriert auch zum Handeln und zum Dienst am Mitmenschen. Dies wiederum ermöglicht dem Menschen, Tugenden wie Liebe, Gerechtigkeit, Hoffnung, Demut, Achtung und Großzügigkeit zu praktizieren und seine innewohnenden geistigen Eigenschaften, Talente und Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Auf diese Weise ist das Gebet der Keim des Dienstes und verleiht dem Handeln Bedeutung.

In Andachtsversammlungen beten Bahá’í gemeinsam mit Freunden, Bekannten und Nachbarn – ganz gleich welcher Weltanschauung – in einer besinnlichen Umgebung, sei es in den eigenen vier Wänden oder in einem Versammlungsort der Gemeinde. Bei diesen Zusammenkünften in herzlicher und würdevoller Atmosphäre werden Texte aus den Heiligen Schriften der Bahá’í und anderer Religionen gelesen, oft ergänzt durch Musik oder auch Geschichten. Im Anschluss ergibt sich oft ein angeregter Austausch über die ausgewählten Texte und die großen und kleinen Themen des Lebens. Die hieraus gewonnenen Erkenntnisse bereichern das eigene Verständnis und bieten Inspiration für das eigene Handeln und den konkreten Dienst an den Mitmenschen.

In der Bonner Bahá’í-Gemeinde gibt es derzeit mehrere Andachten, die wöchentlich oder monatlich stattfinden.

"Selig der Ort und das Haus und der Platz und die Stadt und das Herz und der Berg und das Obdach und die Höhle und das Tal und das Land und das Meer und die Insel und die Au, wo Gottes gedacht und Sein Lob gepriesen wird."

Bahá’u’lláh

Gemeinsames Lernen

Der Mensch ist ein lernendes Wesen. Die beständige Weiterentwicklung des eigenen Charakters und der Dienst an der Gesellschaft sind dabei unentbehrlich, wobei wir diesen Weg mit anderen gemeinsam gehen. Eigene Entwicklung und Engagement für gesellschaftliche Entwicklung gehen Hand in Hand.

Um diesen Lernprozess möglichst vielen Menschen zu ermöglichen, hat die Bahá’í-Gemeinde ein eigenes Trainingsinstitut ins Leben gerufen, das eine Folge von aufeinander aufbauenden Kursen beinhaltet. Die Studienkreise des Traininingsinstituts richten sich an alle Menschen, die die in jedem Menschen angelegten geistig-spirituellen Eigenschaften und Talente entwickeln und aktiv zum Wandel in unserer Gesellschaft beitragen wollen, unabhängig von ihrer Herkunft, Kultur und religiösen Hintergrunds.

Ein Studienkreis besteht aus mehreren Teilnehmenden und wird von einem Tutor bzw. einer bereits mit dem Material vertrauten Person geleitet. Jeder übernimmt Verantwortung für sein Lernen und trägt zur Gruppe bei. Die Umsetzung des Gelernten und das Reflektieren über die gemachten Erfahrungen ist fester Bestandteil des Studienkreises.

Auch in Bonn werden regelmäßig Studienkreise zum Einstieg in die Kursfolge angeboten. Durch weiterführende Kurse können Interessierte auch hilfreiche Fähigkeiten zum Leiten von Kinderklassen, Juniorjugendgruppen oder dem Ausrichten von Andachten erwerben.

"Der Mensch ist seiner Wirklichkeit nach ein geistiges Wesen, und nur wenn er im Geiste lebt, ist er tatsächlich glücklich."

'Abdu’l-Bahá