Es war der erste ungemütliche Herbsttag in diesem Jahr, feucht-kalte Windböen fegten am Rheinufer in Beuel. Die Bezirksgruppe von Amnesty International hatte zum 23. Lauf für Menschenrechte aufgerufen und die örtliche Bahá’í-Gemeinde sich der Initiative mit einem Stand angeschlossen, wie bereits beim Frühjahrslauf im Mai 2017.

Dieser Lauf war, ebenso wie einige der vorangegangenen Läufe, der Religionsfreiheit der Bahá’í im Iran sowie der Befreiung ihrer seit etwa zehn Jahren inhaftierten Führungsmitglieder, der so genannten Yárán (Freunde), gewidmet. Reinhard Oppermann, Leiter der Amnesty-Bezirksgruppe Bonn-Zentrum, sagt, sie werden solange damit fortfahren, bis auch der letzte der sieben Yárán wieder in Freiheit lebt. Hartnäckigkeit wirkt – davon ist er überzeugt, gut begründet auf seiner langjährigen Erfahrung.

Wenige Wochen vor dem Menschenrechtslauf war Frau Mahvash Sabet aus der Haft entlassen worden, etwa eine Woche danach Frau Fariba Kamalabadi und zu Anfang Dezember Herr Behrooz Tavakkoli. Derzeit befinden sich also noch vier der Yárán in Haft, neben etwa 100 weiteren Bahá’í im ganzen Land.

Die sieben Yárán waren mit Wissen und Zustimmung der iranischen Behörden als Vertreter ihrer Religionsgemeinschaft angetreten, nachdem zuvor in den 80er Jahren die gewählten Bahá’í-Institutionen für illegal erklärt worden waren. Im Frühjahr 2008 wurden sie jedoch wegen angeblicher Propagandaaktivitäten gegen die islamische Ordnung und den Aufbau einer illegalen Organisation in Haft genommen.

Die Bahá’í sind mit etwa 300.000 Mitgliedern die größte religiöse Minderheit im Iran und befinden sich seit dem Sturz des Shah-Regimes einzig wegen ihrer Religion unter massiver Verfolgung. Auch  mit  der derzeitigen politischen und wirtschaftlichen Öffnung des Landes wird die systematische Ausgrenzung der Bahá’i nicht geringer. Nein, öffentliche Hasskampagnen, wirtschaftlicher Druck und willkürliche Inhaftierungen nehmen zu, der Zugang zur Hochschulbildung wird ihnen weiterhin verweigert, ihre Friedhöfe werden geschändet, Handels- und Geschäftslizenzen entzogen.

Auch wenn das unfreundliche Wetter herausfordernd war an diesem Tag, hatten sich etwa 40 Läuferinnen und Läufer eingefunden. Es war nicht nur Sportsgeist, der sie bewogen hatte mitzulaufen, sondern der Einsatz für ein hohes Gut, die Menschenrechte und die Religionsfreiheit der Bahá’í im Iran. Und dieser Anspruch verbindet die Bahá’í-Gemeinde Bonn mit ihnen und dem Veranstalter, der Gruppe Bonn-Zentrum von Amnesty International.

Weitere Informationen zur Menschenrechtslage der Bahá’í und zu den Yárán finden Sie hier: http://iran.bahai.de/.

Einen Beitrag des ZDF heute-journals vom 10. Dezember 2017 über die Situation der Bahá’í im Iran finden Sie hier: https://www.zdf.de/nachrichten/heute-journal/bahai-religioese-minderheit-im-iran-100.html.